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Verwendung von Begriffen und Schreibweisen

Menschen mit komplexem Unterstützungsbedarf

Bei der Zielgruppe des Projekts handelt es sich um Personen mit Behinderung, die einen so hohen bzw. komplexen Unterstützungsbedarf haben, dass ihnen i.d.R. kein Platz in der Werkstatt für behinderte Menschen zuerkannt wird. Für die Beschreibung dieser Personengruppe gibt es bereits verschiedene Begriffe, z.B. „Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf“; „Menschen mit schwerer und Mehrfachbehinderung“ oder mit „komplexer Behinderung“. „Hoher Unterstützungsbedarf“ ist für viele Außenstehende nicht aussagekräftig genug, da hierzu auch Personen mit Behinderung zählen können, die ungeachtet ihres hohen Unterstützungs- bzw. Pflegebedarf etwa eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren können. Die anderen beiden Begriffe wiederum stellen die Behinderung in den Fokus. Wir haben stattdessen entschieden, den Begriff „Menschen mit komplexem Unterstützungsbedarf“ zu verwenden.

Arbeitsweltbezogene Teilhabeangebote, Teilhabe am Arbeitsleben

Berufliche Bildung und Arbeit für Menschen mit komplexem Unterstützungsbedarf? Es gibt nach wie vor viele Menschen, die auf diese Forderung mit Unverständnis oder Skepsis reagieren. Das hängt u.a. damit zusammen, dass wir im Allgemeinen „Arbeit“ sagen, aber „Erwerbsarbeit“ meinen, und dass „berufliche Bildung“ in der Regel mit regulären Ausbildungsberufen bzw. entsprechenden Tätigkeitsbereichen verbunden wird. Tatsächlich ist für die meisten Menschen mit komplexem Unterstützungsbedarf Erwerbsarbeit im engeren Sinne nicht das eigentliche Teilhabeziel. Es geht für diese Zielgruppe überwiegend nicht um eine berufliche Ausbildung oder (Anlern-)Tätigkeit mit dem Ziel, den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen. Das Ziel von Personen mit komplexem Unterstützungsbedarf ist es in den meisten Fällen vielmehr, ohne Leistungsdruck am Arbeitsleben teilzuhaben, nach individueller Möglichkeit zu lernen und mitzumachen, das „normale“ Arbeitsleben außerhalb von Sondereinrichtungen kennenzulernen mit allem, was dazugehört. Der Anspruch auf die „wirtschaftliche Verwertbarkeit“ der Tätigkeiten ist dabei für diese Zielgruppe in der Regel nicht angemessen (auch wenn sie andererseits keinesfalls ausgeschlossen ist). Deshalb sprechen wir nicht von „beruflicher“ Bildung oder „Arbeitsangeboten“, sondern von arbeitsweltorientierten Teilhabegeboten und von Angeboten zur Teilhabe am Arbeitsleben.

Tagesstätten

Wir gehen davon aus, dass personenzentrierte Unterstützung von Menschen mit Behinderung nicht hauptsächlich Förderung, sondern vielmehr Begleitung und Assistenz bedeutet. Daher verwenden wir in der Regel nicht den Begriff der Tagesförderstätte, sondern den der Tagesstätten. Ausnahmen machen wir allerdings dort, wo in der jeweiligen Region Tagesförderstätten und Tagesstätten nebeneinander existieren oder die Außenwirkung des Angebots der Einrichtung noch sehr stark mit dem Begriff der Tagesförderstätte verknüpft ist.

Gender Gap

Die BAG UB fühlt sich einer geschlechtersensiblen und nicht diskriminierenden Sprache und Schreibweise verpflichtet. Deshalb haben wir den Vorschlag der „Gender Gap“ (Geschlechter-Lücke) aufgegriffen, der als Mittel der sprachlichen Darstellung aller sozialen Geschlechter und Geschlechtsidentitäten entwickelt wurde. Der Unterstrich bzw. die "Lücke" soll sichtbar machen, dass in einer Personengruppe mehr als nur die beiden als „normal“ empfundenen Geschlechtsidentitäten männlich oder weiblich aufgehoben sein können. Daher schreiben wir seit Mai 2016 nicht mehr beispielsweise MitarbeiterInnen oder Mitarbeiter/innen, sondern Mitarbeiter_innen.